Dienstag, 9. Oktober 2012

Alimente oder Honorare


Zur Transparenzdiskussion bei Nebentätigkeiten von Politikern

Lieber Herr Bundestagspräsident, bitte sorgen Sie doch für mehr Transparenz. Für diese als Forderung verkleidete Bittschrift an die parlamentarische Obrigkeit werden derzeit Unterschriften gesammelt. Na gut, Schaden wird das nicht anrichten, helfen ganz sicher auch nicht.

Zugegeben, es hat seinen Reiz auch offiziell zu erfahren, dass die dem Volk über Steuern abgeknöpften Alimente eines Teils unserer inzwischen eher selbsternannten Volksvertreter nur noch ein Brosamen, ein nettes Zubrot sind, das man natürlich gerne (schließlich hat man ja Anspruch darauf) zusätzlich zu seinem Haupteinkommen aus Honoraren mitnimmt. Nun gut, nötig hat man diese Relikte demokratischer Aufwandentschädigung, die ursprünglich für die Vertretung der Volksinteressen gedacht waren, ja nicht, aber irgendwie hängt man ja an den alten Traditionen unseres christlichen Abendlandes.

Nicht immer an den Politikern zweifeln

Alles nicht so schlimm, das mit der parlamentarischen Nebentätigkeit bekommen unsere Politiker schon hin, schließlich haben sie ja aufgrund ihrer hervorragenden Kontakte zur honorarspendablen Wirtschaft immer Experten zur Hand, die die fachlichen Nebenerwerbslaien bei der Meinungsbildung oder der Formulierung von Gesetzestexten ganz selbstlos und selbstverständlich und über jeden Zweifel erhaben unterstützen. Und was solls, wenn es schon Schattenkabinette gibt, warum nicht auch Schattenparlamente und Schattenministerien. Nur nicht alles so eng sehen. Und vor allem sollten wir endlich aufhören, Politiker unter Generalverdacht zu stellen, als ob es ihnen nur ums Geld ginge.

Klare Regeln und allen ist geholfen

Obwohl, ein Gschmäckle hat das alles schon, auch wenn es natürlich nur Sozialneid zum Hintergrund hat. Aber um dieses Gschmäckle zu vermeiden gibt es eigentlich ein paar ganz einfache Lösungen.

- Man könnte die Höhe der zulässigen „Nebenverdienste“ beschränken, so dass sie deutlich unter den Alimenten durch den Steuerzahler liegen.
- Man könnte die „Nebenverdienste“ auf die Alimente anrechnen – ein bescheidener Beitrag zur Haushaltskonsolidierung.
- Man könnte eine Regelung schaffen, dass die Politiker ab einer bestimmten Nebenverdiensthöhe ganz aus dem Alimentebezug herausfallen, und damit natürlich auch aus ihrer Abhängigkeit von der politischen Funktion. Sie fallen dann eben aus der Politikerstatistik heraus, weil sie ja nun endlich eine (hoffentlich sozialversicherungspflichtige) Vollbeschäftigung gefunden haben und nicht mehr von der Gemeinschaft alimentiert werden müssen.

Die Lösung liegt auf der Hand und allen Politikern ist sie längst bekannt

Merkwürdige Vorschläge? Einfach mal im SGB II nachlesen. Da geht es zwar vergleichsweise um Peanuts, aber das – nach Steinbrück & Co – bewährte und inzwischen von den Kinderkrankheiten befreite System HartzIV (von einem der oben angeführten externen Experten der Politik in die inkompetente Feder diktiert) könnte doch modellhaft – mit sehr viel größerem volkswirtschaftlichen Effekt - auch auf die politische Klasse angewendet werden – oder gibt es da doch noch irgendwelche Mängel?

Mit zuverdienstvollen Grüßen
Ihr
Wolfgang Schwerdt

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