Samstag, 9. Februar 2013

Über jeden Zweifel erhaben



Diskussion um eine längst überfällige Diskussion

Wenn ein Spitzenpolitiker – ob nun erster, zweiter oder dritter Garde – mal eine unglückliche Formulierung wählt, um eine längst überfällige Diskussion anzustoßen, dann geht sofort ein Aufschrei durch die Medienwelt. Wenn eine Medienschaffende über einen in Form und Zeitpunkt verunglückten Betroffenheits-Sach-Artikel-Kommentar-Report eine längst überfällige Diskussion anstoßen möchte, dann werden sofort unlautere Motive unterstellt. Dabei wird doch eigentlich nur immer ein wenig polarisiert – selbstverständlich nur um eine längst überfällige Diskussion anzustoßen.


Dieses Polarisieren, das auf die Spitze treiben, das ist eigentlich die Domäne der Satire und tatsächlich hat zumindest die jeweils folgende längst überfällige Diskussion starke realsatirische Elemente. Nur eines darf ich hier sicherlich festhalten: Diejenigen, die die längst überfälligen Diskussionen jeweils anstoßen, sind – mit ganz wenigen Ausnahmen - bedauerlicherweise keine Satiriker, eher Zyniker, meist Opportunisten. Und genau deshalb verunglücken auch so viele der Anstöße von längst überfälligen Diskussionen und deshalb fallen die jeweiligen längst überfälligen Diskussionen immer wieder den üblichen schon immer überflüssigen Diskussionen zum Opfer.

Politikeraussagen nicht immer gleich so ernst nehmen . . .

Apropos Opfer. Die längst überfällige Sexismusdebatte ist inzwischen ja hinfällig geworden, nun hat ein gewisser hessischer Oberintegrator die längst überfällige Rassismusdebatte eingeläutet. Mit einer natürlich unglücklichen Formulierung über das Gesicht seines Parteivorsitzenden wollte er auf den latenten Rassismus in unserer Gesellschaft aufmerksam machen. Selbstverständlich ging es dem wackeren Kämpfer für den Liberalismus nicht um die innerparteilichen Personaldebatten oder den Bundetagswahlkampf. Dass bei seiner Bemerkung genau diese Aspekte im Mittelpunkt seiner Äußerung steht . . . mein Gott, der Mann ist Politiker, da formuliert man schon mal so, wie man es eigentlich gar nicht gemeint hat. Und selbstverständlich wählt man einen Zeitpunkt, den man so gar nicht wählen wollte und natürlich stellt man Zusammenhänge her, die gar nicht beabsichtigt sind.

. . . denn sie wissen nicht was sie sagen wollen

Nun macht sich der latent misstrauische Bürger natürlich trotzdem so seine Gedanken, wenn beispielsweise ein Kanzlerkandidat nur mal so anregen wollte, über das niedrige Einkommen des Regierungschefs zu plaudern. Oder wenn da einer angesichts der schwärenden Diskussionen um einen Parteivorsitzenden, dessen Gesichtszüge auf ihre wählerwirksame Eignung hinterfragt. Dass auch noch gelegentlich Doktorarbeiten von Politikern nur bedingt den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen, lässt schon irgendwie nachdenklich werden. Dass Politiker immer weniger in der Lage zu sein scheinen, das in eigene Worte zu fassen, was sie eigentlich sagen möchten, mag auch an den Medien, an den politischen Gegnern, am Unverständnis des Volkes oder an anderen externen Faktoren liegen. Wenn sich solche Geschichten allerdings häufen – wie es derzeit der Fall zu sein scheint, können auch andere Gründe eine Rolle spielen.

Opfer geheimer Arbeitsbeschaffungsprogramme

Zum Beispiel der mentale Zustand unserer Volksvertreter. Menschen, die sich nicht auszudrücken verstehen, oder für die beispielsweise wissenschaftliche Zitiervorgaben unverständlich sind, werden gemeinhin der Schicht der Bildungsfernen zugeordnet. Sollten sich unsere Spitzenpolitiker inzwischen – als repräsentativer Querschnitt unserer Gesellschaft als den sie sich insbesondere hinsichtlich ihrer menschlichen Schwächen ja so gerne ausgeben -  aus dieser Schicht rekrutieren? Sollte es etwa ein  geheimes Programm der Jobcenter geben, bildungsferne HartzIVler, die ansonsten keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, mit einer neuen Vita auszustatten und – möglicherweise über Zeitarbeitsfirmen – in die Politik zu vermitteln? Sind die Parteien vielleicht selbst steuerfinanzierte Zeitarbeitsfirmen, deren Mitarbeiter in einer Art Verlosung, also einer als Wahl bezeichneten innovativen Arbeitsvermittlung, rekrutiert werden?

Längst überfällige Diskussion angestoßen

Fragen über Fragen, mit denen ich völlig selbstlos eine längst überfällige Diskussion anstoßen möchte – vielleicht über Bildung oder . . . ach was, suchen sie sich einfach etwas Passendes aus. Wenn sich dadurch der Traffic auf meine Seite und mein Bekanntheitsgrad erhöht, wenn ich damit zu einer der quotenbringenden und honorarträchtigen Talkshows eingeladen werde und damit meine Bücher zu Bestsellern werden, weil ich nun ja prominent bin, dann war das natürlich überhaupt nicht beabsichtigt. Aber die Gefahr, mit meinen Ausführungen karriereträchtig missverstanden zu werden, ist ohnehin gering. Denn erstens bin ich kein Politiker, zweitens nicht bildungsfern genug – und ich fürchte, meine Leser sind das auch nicht. Ach ja, und die Alien-Connection ist ein Satireblog – falls sich doch einmal ein Bildungsferner hierher verirren sollte ;-)

mit gepflegt missverständlichen Grüßen
Ihr
Prosaunist

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