"Unsere" Politiker und die netten Leute von Nebenan
Um es gleich vorweg zu nehmen, an einem Privatkredit ist nichts ehrenrühriges. Auch nicht am Urlaub bei Freunden. Und selbstverständlich würde niemand in "unserem" Land einen Job ablehnen, nur weil er dafür eigentlich nicht kompetent ist. Und klar doch, wer von uns hat nicht schon mal für einen Freund zum Wahlkampf dessen Bücher durch Anzeigen promotet, seine Freunde auf Delegationsreise mitgenommen, den einen oder anderen Kumpel zum vom Arbeitgeber finanzierten Empfang eingeladen. Und warum sollte eigentlich etwas dabei sein, sich von Freunden zur kostenlosen Teilnahme an ganz besonderen, nur ausgewählten Gästen zugänglichen, steuerfinanzierten politischen oder kulturellen Ereignissen einladen zu lassen. Machen wir doch alle.
Und wie heißt es so schön? Guten Freunden gibt man eben ein Küsschen, oder zwei, oder drei. Und Freundschaft ist ein hohes Gut, das hat schon Altbundeskanzler Kohl bei der Schwarzgeldaffäre - welch schändliche Bezeichnung für wahre Freundschaft - unter Beweis gestellt. Und er hat auch deutlich gemacht, dass wahre Freundschaft etwas Gegenseitiges, etwas nicht Verhandelbares ist. Hilfts du mir, helf ich dir, das ist die Grundlage jeder Gesellschaft, jeden sozialen Zusammenhalts, jedes sozialen Netzwerks, ob nun privat, geschäftlich oder politisch. Freundschaft, gegenseitiges Geben und Nehmen, das bedeutet nicht nur soziale Kompetenz, das zeichnet im höchsten Maße auch politisches Talent aus.
Nicht kritisieren, besser machen!
Und seien wir doch mal ehrlich: wer dieses Verhalten nicht beherrscht ist eben asozial, gehört zu den römisch-dekadenten Hartz-IV-Saufbrüdern. Statt ihre Freunde mit auf steuerfinanzierte Geschäftsreise nach China zu nehmen, oder in Not geratenen Saufkumpanen zinsgünstige Privatkredite zur Einrichtung einer Eckkneipe zu gewähren, verprassen die Asozialen mit Wein, Weib und Gesang die von den verantwortungsvollen sozialen politisch-ökonomischen Freundesnetzwerken mühsam zusammengerafften Steuergelder.
Wulff muss bleiben und Kohl für Heiligsprechung vorschlagen!
Ich finde, im Interesse des höchsten Amtes dieser Republik, aus Respekt vor der Privatspäre unserer unermüdlich sozial netzwerkenden Volksvetreter, sollte endlich Schluss sein, mit dieser unerträglichen Menschenjagd, die nur aus Neid und der Gier jener geboren ist, die auf Kosten der Gesellschaft ihren persönlichen Vorteil suchen. Und der Demokratie und erst recht der politischen Stabilität im Lande täte es ebenfalls gut, wahre Freundschaft als das zu betrachten, was sie ist: Die Grundlage aller politischen Entscheidungen und des damit verbundenen Aufschwungs und Wachstums von Wirtschaft und Finanzindustrie. Schließlich wollen wir doch, dass es vor allem jenen, die Deutschland und "wir" als Synonym verwenden, gut geht. Denn dann geht es auch dem Land gut. Die anderen haben in "unserer" Demokratie ohnehin nichts verloren.
Mit freundschaftlichen Grüßen
Ihr
Wolfgang Schwerdt
PS: Wer meine Bücher, allen voran in diesem Zusammenhang natürlich die "Alien-Connection" mit einer social-networkenden "Anzeigenkampagne" promoted, darf sich gerne "mein Freund" nennen (und das bleibt natürlich rein privat) ;-)) - dafür verzichte ich auch gerne auf Küsschen.
Dienstag, 20. Dezember 2011
Donnerstag, 24. November 2011
Chinesisches Google-Bärchen vernichtet deutschsprachige Online-Plattform aus Kanada
Guttenberg setzt sich für Rettung deutscher suite101-Tochter ein
Zwei Hammermeldungen sorgten in den vergangenen Tagen für Hurrikans im Mediendschungel. Das kanadische Online-Magazin Suite101 kündigt redaktionelle Änderungen in Europa an und zu Guttenberg weilte zeitgleich im kanadischen Halifax und kündigte seinerseits seine mögliche Rückkehr in die deutsche Politik an. Zunächst konnte man keinen Zusammenhang zwischen diesen weltbewegenden Ereignissen erkennen, aber inzwischen kristallisiert er sich immer deutlicher heraus.
Denn das, was da der suite101-Geschäftsführer Berger so harmlos mit „Redaktionellen Änderungen in Europa“ beschreibt, hat erhebliche Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft. Zwölf Redakteure verlieren ihren Job und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Rund 3000 Autoren sind nun mehr oder weniger sich selbst überlassen und können zu sinkenden oder gar keinen Tantiemen ihre Artikel veröffentlichen. Denn die deutsche suite101 wird ab sofort, wie Berger verkündet, nicht mehr weiterentwickelt. Das innovative Augenmerk konzentriert sich ab sofort auf die englischsprachigen Portale, das Kerngeschäft, den Ursprung des Unternehmens. Hier, so der Geschäftsführer, der nun zeitgleich mit der unternehmerischen Aufgabe der deutschen Tochter, das Gesamtunternehmen verlässt, werde zukünftig daran gearbeitet, sich von der Dominanz Googles zu lösen und eine Entwicklung voranzutreiben, bei der es „mehr als bisher auch um die langfristige Bindung von Lesern gehen wird.“
Klare Zusage, der Autorenanteil von zukünftig Nichts wird nicht gekürzt
Gerade die von verschiedener Seite seit langem bemängelte Bindung des wirtschaftlichen suite101-Erfolgs an Google und die Vernachlässigung der Entwicklung einer Qualitätsmarke, die direkte Leseranbindung bedeuten würde, ist es aber, die nun, nach zwei Umstellungen des Suchverhaltens von Google (namens Panda) zu drastischen Einbußen bei Leserzahlen und damit Werbeerlösen geführt hat. Und das wiederum bedeutet im unternehmerischen Verständnis des kanadischen Geschäftsführers folgendes: „. . . . erwirtschafteten nun alle europäischen Seiten trotz noch im Sommer durchgeführter Sparmaßnahmen Verluste . . . . und müssen entsprechend unser redaktionelles Modell in Europa der wirtschaftlichen Lage anpassen.“
Aber der für seine Versprechen später nicht mehr verantwortlich zu machende Berger, der das Unternehmen ja aus persönlichen Gründen verlässt, gibt den europäischen Autoren, die auch ihm in der Vergangenheit erhebliche Gewinne eingeschrieben haben, noch einen mächtigen Trost mit auf den Weg: „Wir stehen zu unserem Versprechen, Autoren zeitlich unbefristet an erzielten Erlösen zu beteiligen.“ Wirklich beruhigend klingt das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass dem ständigen Rückgang der europäischen Werbeumsätze keine Maßnahmen im Sinne dringend erforderlicher Investitionen, sondern schlichtweg die redaktionelle Aufgabe entgegengesetzt werden, nicht gerade.
Einen neuen (alten) Helden braucht das Land
Wem fällt da nicht sofort die Parallele zu Opel ein, Damals wurde von den Amerikanern das Unternehmen wirtschaftlich vor die Wand gespart. Die Folge: keine Investitionen zur Neuorientierung der deutschen Tochter und Konzentration auf die Konsolidierung des Mutterkonzerns. Und damals war es auch zu Guttenberg, der nach Amerika reiste, um das drohende Unheil von den armen Opelanern abzuwenden. Und heute findet man den Wirtschafts- und Publizistikfachmann (scheinbar zufällig) in Kanada wieder, mit der tröstlichen Perspektive, nebenbei nicht nur einen neuen Doktor zu bauen, mal schnell ein Buch in die Spiegel- und Bild-Bestsellerlisten pumpen zu lassen und sein politisches Comeback vorzubereiten. Die Rettung von suite101.de – auf ein paar Millionen sollte es da doch wirklich nicht ankommen - wäre natürlich ein mächtiger Paukenschlag, mit der der talentierte Superpolitiker seine triumphale Rückkehr mit Doktor und Moneten feiern könnte. Der Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen liegt also auf der Hand, denn ein Schaumschläger kommt eben selten allein. Vielleicht hat Berger ja auch eine ganz neue Perspektive für sich entdeckt. Es gibt zwar keinerlei Beweis für ein Zusammentreffen der beiden talentierten Persönlichkeiten, aber passen würde es schon.
Mit verschwörerischen Grüßen
Ihr
Wolfgang Schwerdt
Ach ja, und sollte jemand tatsächlich nicht wissen, worum es hier eigentlich geht, einfach mal hier schauen
Suite101.de und der tolle suite101.de Blog mit original Berger und nochmal Berger an die Autoren der kanadischen Mutterseite
Zwei Hammermeldungen sorgten in den vergangenen Tagen für Hurrikans im Mediendschungel. Das kanadische Online-Magazin Suite101 kündigt redaktionelle Änderungen in Europa an und zu Guttenberg weilte zeitgleich im kanadischen Halifax und kündigte seinerseits seine mögliche Rückkehr in die deutsche Politik an. Zunächst konnte man keinen Zusammenhang zwischen diesen weltbewegenden Ereignissen erkennen, aber inzwischen kristallisiert er sich immer deutlicher heraus.
Denn das, was da der suite101-Geschäftsführer Berger so harmlos mit „Redaktionellen Änderungen in Europa“ beschreibt, hat erhebliche Konsequenzen für die deutsche Wirtschaft. Zwölf Redakteure verlieren ihren Job und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Rund 3000 Autoren sind nun mehr oder weniger sich selbst überlassen und können zu sinkenden oder gar keinen Tantiemen ihre Artikel veröffentlichen. Denn die deutsche suite101 wird ab sofort, wie Berger verkündet, nicht mehr weiterentwickelt. Das innovative Augenmerk konzentriert sich ab sofort auf die englischsprachigen Portale, das Kerngeschäft, den Ursprung des Unternehmens. Hier, so der Geschäftsführer, der nun zeitgleich mit der unternehmerischen Aufgabe der deutschen Tochter, das Gesamtunternehmen verlässt, werde zukünftig daran gearbeitet, sich von der Dominanz Googles zu lösen und eine Entwicklung voranzutreiben, bei der es „mehr als bisher auch um die langfristige Bindung von Lesern gehen wird.“
Klare Zusage, der Autorenanteil von zukünftig Nichts wird nicht gekürzt
Gerade die von verschiedener Seite seit langem bemängelte Bindung des wirtschaftlichen suite101-Erfolgs an Google und die Vernachlässigung der Entwicklung einer Qualitätsmarke, die direkte Leseranbindung bedeuten würde, ist es aber, die nun, nach zwei Umstellungen des Suchverhaltens von Google (namens Panda) zu drastischen Einbußen bei Leserzahlen und damit Werbeerlösen geführt hat. Und das wiederum bedeutet im unternehmerischen Verständnis des kanadischen Geschäftsführers folgendes: „. . . . erwirtschafteten nun alle europäischen Seiten trotz noch im Sommer durchgeführter Sparmaßnahmen Verluste . . . . und müssen entsprechend unser redaktionelles Modell in Europa der wirtschaftlichen Lage anpassen.“
Aber der für seine Versprechen später nicht mehr verantwortlich zu machende Berger, der das Unternehmen ja aus persönlichen Gründen verlässt, gibt den europäischen Autoren, die auch ihm in der Vergangenheit erhebliche Gewinne eingeschrieben haben, noch einen mächtigen Trost mit auf den Weg: „Wir stehen zu unserem Versprechen, Autoren zeitlich unbefristet an erzielten Erlösen zu beteiligen.“ Wirklich beruhigend klingt das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass dem ständigen Rückgang der europäischen Werbeumsätze keine Maßnahmen im Sinne dringend erforderlicher Investitionen, sondern schlichtweg die redaktionelle Aufgabe entgegengesetzt werden, nicht gerade.
Einen neuen (alten) Helden braucht das Land
Wem fällt da nicht sofort die Parallele zu Opel ein, Damals wurde von den Amerikanern das Unternehmen wirtschaftlich vor die Wand gespart. Die Folge: keine Investitionen zur Neuorientierung der deutschen Tochter und Konzentration auf die Konsolidierung des Mutterkonzerns. Und damals war es auch zu Guttenberg, der nach Amerika reiste, um das drohende Unheil von den armen Opelanern abzuwenden. Und heute findet man den Wirtschafts- und Publizistikfachmann (scheinbar zufällig) in Kanada wieder, mit der tröstlichen Perspektive, nebenbei nicht nur einen neuen Doktor zu bauen, mal schnell ein Buch in die Spiegel- und Bild-Bestsellerlisten pumpen zu lassen und sein politisches Comeback vorzubereiten. Die Rettung von suite101.de – auf ein paar Millionen sollte es da doch wirklich nicht ankommen - wäre natürlich ein mächtiger Paukenschlag, mit der der talentierte Superpolitiker seine triumphale Rückkehr mit Doktor und Moneten feiern könnte. Der Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen liegt also auf der Hand, denn ein Schaumschläger kommt eben selten allein. Vielleicht hat Berger ja auch eine ganz neue Perspektive für sich entdeckt. Es gibt zwar keinerlei Beweis für ein Zusammentreffen der beiden talentierten Persönlichkeiten, aber passen würde es schon.
Mit verschwörerischen Grüßen
Ihr
Wolfgang Schwerdt
Ach ja, und sollte jemand tatsächlich nicht wissen, worum es hier eigentlich geht, einfach mal hier schauen
Suite101.de und der tolle suite101.de Blog mit original Berger und nochmal Berger an die Autoren der kanadischen Mutterseite
Sonntag, 2. Oktober 2011
Die Inflation der Werte
oder der Wert der Schulden
Ach was waren das noch für Zeiten, als man für „Wertschöpfung“ und Mehrwert“ noch so richtig arbeiten musste, als man noch darüber nachdachte und engagiert darüber diskutierte, wie Werte eigentlich entstehen. Ich will hier gar nicht auf so etwas exotisches wie moralische oder ideelle Werte abheben, nein, ich trauere ein wenig den guten alten ökonomischen Werten nach.
Wieso, werden sie sich, lieber Leser, fragen, fordert der Gastkommentator in einer Welt, in der nur noch die Ökonomie zu zählen scheint ausgerechnet den ökonomischen und nicht den moralischen Werten nach? Ganz einfach: das, was einmal ökonomisch als Wert galt, ist aus unserer Welt längst völlig verschwunden.
Das hatte bereits mit der Einführung der sogenannten Mehrwertsteuer begonnen, bei der angenommen wurde, dass jeder Warenumsatz, ja selbst das Anbringen eines Preisschilds an einer Ware aus sich heraus einen Wert generiert, der vom Staat abgeschöpft werden kann, um den Banken wenigstens einen Teil der Zinseszinsen seiner durch eben diese Zinseszinsen verursachten Verschuldung in den Rachen zu werfen. Die Schlussfolgerung: Je öfter ein und dieselbe Ware über Großhandel, Zwischenhandel, Einzelhandel umgeschlagen wird, desto mehr ist sie wert. Dass das Prinzip nicht funktioniert, hatte man im 19. Jahrhundert schon einmal begriffen, als die kleinstaatlichen Zollgrenzen abgeschafft wurden. Damals waren sich die Ökonomen aber auch weitgehend einig, dass nur auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse abgestimmte Tätigkeiten und Produkte werthaltig sind und über Angebot und Nachfrage Preise generieren, die sich über den Tausch in einem Geldäquivalent ausdrücken lassen.
Das systemrelevante schwarze Loch
Und heute? Rotzfrech erklärt die Finanzwirtschaft, dass das Geld inzwischen einen eigenen Wert entwickelt habe – einfach so. Und die Politik und die Wissenschaft werden nicht müde, dies mit verschwurbelten Argumenten auch noch zu untermauern. Geld sei zwar nicht mehr an die materielle Produktion gebunden und könne auch über einen eigenen, immateriellen Markt vermehrt werden, garantiere aber trotzdem Eigentumsansprüche an materielle Güter und eben Werte mit deren Entstehung es nie zu tun hatte. Geld vermehrt sich heute über Zinsen, deren Höhe sich nach dem vermeintlichen Risiko einer beliebigen, auch virtuellen Unternehmung richtet und nicht mehr nach einem Anteil an der realistisch zu erwartenden Rendite der Realwirtschaft. Und über das Instrument des Zinseszinses saugt die sogenannte Finanzwirtschaft ohne jeden Bezug zur Realwirtschaft sämtliche materiellen Werte der Gesellschaft wie ein schwarzes Loch in sich auf. Und was sich bis vor kurzem noch niemand vorstellen konnte (oder wollte): inzwischen verschlingt die „Finanzwirtschaft“ ganze Staaten. Mit Griechenland hat es angefangen, ganz Europa wird folgen.
Der neue Liberalismus: Wertfreiheit statt Freiheit
Nichts, aber auch gar nichts hat das alles mit ökonomischen Werten zu tun, die Ökonomie ist letztendlich wertfrei geworden. Preise, Löhne, Kosten, Zinsen, Schulden, lediglich Größen ohne jede realwirtschaftliche Grundlagen in einem virtuellen Finanzspiel mit automatisierten Wetten, Gewinnspielen, Phantasiewelten, die alle nur ein Ziel haben . . . nein, sie haben kein Ziel mehr, sie haben nicht einmal einen Sinn, sie sind einfach nur Selbstzweck ohne Realitätsbezug aber mit ungeheurer Wirkung auf die Realität, in erster Linie aber auf die Politik geworden.
Diese Wertlosigkeit unserer realen menschlichen Gesellschaft vor dem Hintergrund des fiktiven pseudowertschöpfenden Finanzmarktes drückt sich längst in Begriffen aus, die heute als besonders schick und intelligent gelten. Da ist die Rede von „Wertschöpfungsketten“, an denen man sich beispielsweise als „Wissensarbeiter“ entlangbewegen kann, oder gar von Wertschöpfungsketten von Finanzinstituten, die ja nichts anderes sind, als Wertabschöpfungsketten. Da beinhalten Onlineartikel einen angeblichen Mehrwert für den Leser, wobei der oft genug froh wäre, wenn der Artikel wenigstens handwerklich und inhaltlich überhaupt einen Wert hätte. Dann wäre der schicke aber substanzlose „Mehrwert“ des Artikels ohnehin völlig entbehrlich.
Warum spielen wir eigentlich nicht alle mit?
Insofern versichere ich, dass auch dieser Kommentar keinerlei Mehrwert für den Leser hat und nicht Bestandteil meiner unternehmerischen Wertschöpfungskette ist, sondern lediglich ein Beitrag, der zum Nachdenken anregen soll. Zum Nachdenken beispielsweise darüber, was eigentlich passiert, wenn dereinst die ganze Welt im schwarzen Loch der Finanzwirtschaft verschwunden ist und niemand mehr für die virtuellen Schulden aufkommen kann. Oder was wird wohl geschehen, wenn den Kreditgebern im Rahmen einer ordentlichen Insolvenz lediglich die Kredittilgung und der Anteil an der realen Wertschöpfung (also Rendite) zugestanden wird, an deren Entstehung sie mit ihren Investitionen auch direkt beteiligt waren. Es wäre interessant, einmal auszurechnen, wieviel Geld die Finanzwirtschaft ihren Schuldnern und Schuldnerstaaten inzwischen eigentlich schulden würde. Wie wäre es denn einmal mit Wetten darauf, es gibt doch genug virtuelles Spielgeld in unserem Weltcasino, das unsere geistesriesigen Spitzenpolitiker für systemrelevant halten. Vielleicht haben die damit sogar Recht. Die Frage allerdings drängt sich auf, ob dieses Schmarotzersystem selbst gesellschaftlich überhaupt relevant ist.
Mit mehrwertigen Grüßen
Ihr
Wolfgang Schwerdt
Ach was waren das noch für Zeiten, als man für „Wertschöpfung“ und Mehrwert“ noch so richtig arbeiten musste, als man noch darüber nachdachte und engagiert darüber diskutierte, wie Werte eigentlich entstehen. Ich will hier gar nicht auf so etwas exotisches wie moralische oder ideelle Werte abheben, nein, ich trauere ein wenig den guten alten ökonomischen Werten nach.
Wieso, werden sie sich, lieber Leser, fragen, fordert der Gastkommentator in einer Welt, in der nur noch die Ökonomie zu zählen scheint ausgerechnet den ökonomischen und nicht den moralischen Werten nach? Ganz einfach: das, was einmal ökonomisch als Wert galt, ist aus unserer Welt längst völlig verschwunden.
Das hatte bereits mit der Einführung der sogenannten Mehrwertsteuer begonnen, bei der angenommen wurde, dass jeder Warenumsatz, ja selbst das Anbringen eines Preisschilds an einer Ware aus sich heraus einen Wert generiert, der vom Staat abgeschöpft werden kann, um den Banken wenigstens einen Teil der Zinseszinsen seiner durch eben diese Zinseszinsen verursachten Verschuldung in den Rachen zu werfen. Die Schlussfolgerung: Je öfter ein und dieselbe Ware über Großhandel, Zwischenhandel, Einzelhandel umgeschlagen wird, desto mehr ist sie wert. Dass das Prinzip nicht funktioniert, hatte man im 19. Jahrhundert schon einmal begriffen, als die kleinstaatlichen Zollgrenzen abgeschafft wurden. Damals waren sich die Ökonomen aber auch weitgehend einig, dass nur auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse abgestimmte Tätigkeiten und Produkte werthaltig sind und über Angebot und Nachfrage Preise generieren, die sich über den Tausch in einem Geldäquivalent ausdrücken lassen.
Das systemrelevante schwarze Loch
Und heute? Rotzfrech erklärt die Finanzwirtschaft, dass das Geld inzwischen einen eigenen Wert entwickelt habe – einfach so. Und die Politik und die Wissenschaft werden nicht müde, dies mit verschwurbelten Argumenten auch noch zu untermauern. Geld sei zwar nicht mehr an die materielle Produktion gebunden und könne auch über einen eigenen, immateriellen Markt vermehrt werden, garantiere aber trotzdem Eigentumsansprüche an materielle Güter und eben Werte mit deren Entstehung es nie zu tun hatte. Geld vermehrt sich heute über Zinsen, deren Höhe sich nach dem vermeintlichen Risiko einer beliebigen, auch virtuellen Unternehmung richtet und nicht mehr nach einem Anteil an der realistisch zu erwartenden Rendite der Realwirtschaft. Und über das Instrument des Zinseszinses saugt die sogenannte Finanzwirtschaft ohne jeden Bezug zur Realwirtschaft sämtliche materiellen Werte der Gesellschaft wie ein schwarzes Loch in sich auf. Und was sich bis vor kurzem noch niemand vorstellen konnte (oder wollte): inzwischen verschlingt die „Finanzwirtschaft“ ganze Staaten. Mit Griechenland hat es angefangen, ganz Europa wird folgen.
Der neue Liberalismus: Wertfreiheit statt Freiheit
Nichts, aber auch gar nichts hat das alles mit ökonomischen Werten zu tun, die Ökonomie ist letztendlich wertfrei geworden. Preise, Löhne, Kosten, Zinsen, Schulden, lediglich Größen ohne jede realwirtschaftliche Grundlagen in einem virtuellen Finanzspiel mit automatisierten Wetten, Gewinnspielen, Phantasiewelten, die alle nur ein Ziel haben . . . nein, sie haben kein Ziel mehr, sie haben nicht einmal einen Sinn, sie sind einfach nur Selbstzweck ohne Realitätsbezug aber mit ungeheurer Wirkung auf die Realität, in erster Linie aber auf die Politik geworden.
Diese Wertlosigkeit unserer realen menschlichen Gesellschaft vor dem Hintergrund des fiktiven pseudowertschöpfenden Finanzmarktes drückt sich längst in Begriffen aus, die heute als besonders schick und intelligent gelten. Da ist die Rede von „Wertschöpfungsketten“, an denen man sich beispielsweise als „Wissensarbeiter“ entlangbewegen kann, oder gar von Wertschöpfungsketten von Finanzinstituten, die ja nichts anderes sind, als Wertabschöpfungsketten. Da beinhalten Onlineartikel einen angeblichen Mehrwert für den Leser, wobei der oft genug froh wäre, wenn der Artikel wenigstens handwerklich und inhaltlich überhaupt einen Wert hätte. Dann wäre der schicke aber substanzlose „Mehrwert“ des Artikels ohnehin völlig entbehrlich.
Warum spielen wir eigentlich nicht alle mit?
Insofern versichere ich, dass auch dieser Kommentar keinerlei Mehrwert für den Leser hat und nicht Bestandteil meiner unternehmerischen Wertschöpfungskette ist, sondern lediglich ein Beitrag, der zum Nachdenken anregen soll. Zum Nachdenken beispielsweise darüber, was eigentlich passiert, wenn dereinst die ganze Welt im schwarzen Loch der Finanzwirtschaft verschwunden ist und niemand mehr für die virtuellen Schulden aufkommen kann. Oder was wird wohl geschehen, wenn den Kreditgebern im Rahmen einer ordentlichen Insolvenz lediglich die Kredittilgung und der Anteil an der realen Wertschöpfung (also Rendite) zugestanden wird, an deren Entstehung sie mit ihren Investitionen auch direkt beteiligt waren. Es wäre interessant, einmal auszurechnen, wieviel Geld die Finanzwirtschaft ihren Schuldnern und Schuldnerstaaten inzwischen eigentlich schulden würde. Wie wäre es denn einmal mit Wetten darauf, es gibt doch genug virtuelles Spielgeld in unserem Weltcasino, das unsere geistesriesigen Spitzenpolitiker für systemrelevant halten. Vielleicht haben die damit sogar Recht. Die Frage allerdings drängt sich auf, ob dieses Schmarotzersystem selbst gesellschaftlich überhaupt relevant ist.
Mit mehrwertigen Grüßen
Ihr
Wolfgang Schwerdt
Donnerstag, 22. September 2011
Die Offenbarung des Benedikt
Im Jahre des Herrn 2011 begab es sich, dass die Zentrale der weltlichen Macht des Heiligen römischen Reiches Deutscher Nationen von Benedikt XVI., dem Stellvertreter Gottes besucht wurde. Inmitten der Mächtigen des Reiches, erhob der Papst die Stimme und verkündete im Rahmen eines rechtsphilosophischen Diskurses die frohe aber historisch falsche Glaubensbotschaft, dass die Idee der Menschenrechte, der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis von der Unantastbarkeit der Menschenwürde aus der Überzeugung der Existenz eines Schöpfergottes heraus entstanden sei.
Die mächtigen des Reiches, allen voran die christliche Kanzlerin, die erlauchten Fürsten der deutschen Nationen des Heiligen Römischen Reiches und die zahlreichen Hofschranzen, die sich unter der Kuppel ihres Palastes versammelt hatten, nahmen die Botschaft der Heiligen Vaters beeindruckt auf. Der meldete bei dieser Gelegenheit und an diesem Ort mit den Worten: „Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt.“ auch gleich seinen Anspruch auf die geistige Führerschaft der Völker- und Staatengemeinschaft an. Unwidersprochen selbstverständlich, denn die Autorität des Papstes steht bei unseren christlichen Herrschern natürlich über der Souveränität des Volkes, der demokratischen Verfassung. Obwohl, die Einladung zur Rede im Christlichen Reichstag wurde gegenüber dem Pöbel mit der Rolle des Papstes als Staatsgast, als Regierungschef des christlich-fundamentalistischen Gottesstaates begründet. Tja, man muss eben ein Gläubiger (oder ein Blinder oder ein Politiker) sein, um solche Widersprüche zu übersehen.
Lobpreised die christlich-abendliche Leitkultur
Wer nun allerdings die aufmüpfige Frage stellen möchte, ob denn nun auch noch die obersten Vertreter von Gottesstaaten anderer Glaubensrichtungen aus unserem Parlament heraus und mit freundlicher und massiver Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Medien ihre Predigten und Machtansprüche in die Welt hinausposaunen dürfen, der sei noch einmal nachdrücklich auf unsere christlich-abendländische Leitkultur nach dem Ratzingerverständnis hingewiesen – und damit hoffentlich endgültig zum Schweigen gebracht. Und wen das nicht überzeugt, dem sei hier in Zusammenhang mit der Griechenlandfrage noch einmal ein wenig Geschichtsverständnis nach dem Muster unserer politischen Elite vor Augen geführt. Nach deren bestechender Logik dürfen wir Griechenland nicht vom durch die internationalen (und wahrscheinlich christlich-abendländisch geleiteten) Finanzterroristen aufgebauten Schuldendruck befreien, sondern müssen über die berühmten selbstmörderischen „Rettungsschirme“ eben jenen Finanzterroristen ihre Lösegeldforderungen erfüllen. Und warum? Weil die Griechen die Demokratie erfunden haben!! Die Demokratie, der wir unsere freiheitliche Gesellschaft verdanken.
Eine Zeitreise durch die Windeln der Demokratie
Da haben sich nach den Klein-Erna-Vorstellungen unserer politischen Elite wohl die (ausschließlich männlichen!) Griechen der Oberschicht – wahrscheinlich wegen einer Finanzkrise - zusammengesetzt und getüftelt, dass die Köpfe rauchten. Irgendwann muss wohl einer von ihnen aufgesprungen sein und gesagt haben:
„Ich Hartz, ich Hartz, das ist die Lösung! Lasst Sklaven und verarmte Bauern für uns arbeiten, lassen wir die Frauen unseren Haushalt führen, während wir über die wichtigen Dinge des Lebens entscheiden, ohne uns mit den niederen Arbeiten die Hände schmutzig machen zu müssen, schließlich lenkt das doch nur von unserer Verantwortung für die Gesellschaft ab. Denn wir, die paar edlen Männer, sind das Volk. Und im Volke soll Gleichheit herrschen, nennen wir es einfach Demokratie.“
Und tatsächlich die Zustände in unserer Republik ähneln inzwischen in vielerlei Hinsicht dem antiken griechischen Demokratieverständnis, mit einer Ausnahme: heute beteiligen sich auch Frauen, mächtige christliche Frauen und nachdem die Jahrhunderte der Aufklärung endlich wieder aus dem Bewusstsein der Eliten getilgt worden sind, auch wieder der Stellvertreter Gottes (des Einen, sie wissen schon, nicht etwa des Anderen) an der „Verantwortung für die Gesellschaft“.
Eine Zeitreise mit Achterbahneffekt: Aus der Gegenwart über die Antike ins christliche Mittelalter.
Mit einem fröhlichen Halleluja und Hosianna
Ihr Wolfgang Schwerdt
Amen
(will ja nicht auf dem Scheiterhaufen enden, also widerrufe ich vorsichtshalber gleich mal ein paar problematische Passagen)
Die mächtigen des Reiches, allen voran die christliche Kanzlerin, die erlauchten Fürsten der deutschen Nationen des Heiligen Römischen Reiches und die zahlreichen Hofschranzen, die sich unter der Kuppel ihres Palastes versammelt hatten, nahmen die Botschaft der Heiligen Vaters beeindruckt auf. Der meldete bei dieser Gelegenheit und an diesem Ort mit den Worten: „Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt.“ auch gleich seinen Anspruch auf die geistige Führerschaft der Völker- und Staatengemeinschaft an. Unwidersprochen selbstverständlich, denn die Autorität des Papstes steht bei unseren christlichen Herrschern natürlich über der Souveränität des Volkes, der demokratischen Verfassung. Obwohl, die Einladung zur Rede im Christlichen Reichstag wurde gegenüber dem Pöbel mit der Rolle des Papstes als Staatsgast, als Regierungschef des christlich-fundamentalistischen Gottesstaates begründet. Tja, man muss eben ein Gläubiger (oder ein Blinder oder ein Politiker) sein, um solche Widersprüche zu übersehen.
Lobpreised die christlich-abendliche Leitkultur
Wer nun allerdings die aufmüpfige Frage stellen möchte, ob denn nun auch noch die obersten Vertreter von Gottesstaaten anderer Glaubensrichtungen aus unserem Parlament heraus und mit freundlicher und massiver Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Medien ihre Predigten und Machtansprüche in die Welt hinausposaunen dürfen, der sei noch einmal nachdrücklich auf unsere christlich-abendländische Leitkultur nach dem Ratzingerverständnis hingewiesen – und damit hoffentlich endgültig zum Schweigen gebracht. Und wen das nicht überzeugt, dem sei hier in Zusammenhang mit der Griechenlandfrage noch einmal ein wenig Geschichtsverständnis nach dem Muster unserer politischen Elite vor Augen geführt. Nach deren bestechender Logik dürfen wir Griechenland nicht vom durch die internationalen (und wahrscheinlich christlich-abendländisch geleiteten) Finanzterroristen aufgebauten Schuldendruck befreien, sondern müssen über die berühmten selbstmörderischen „Rettungsschirme“ eben jenen Finanzterroristen ihre Lösegeldforderungen erfüllen. Und warum? Weil die Griechen die Demokratie erfunden haben!! Die Demokratie, der wir unsere freiheitliche Gesellschaft verdanken.
Eine Zeitreise durch die Windeln der Demokratie
Da haben sich nach den Klein-Erna-Vorstellungen unserer politischen Elite wohl die (ausschließlich männlichen!) Griechen der Oberschicht – wahrscheinlich wegen einer Finanzkrise - zusammengesetzt und getüftelt, dass die Köpfe rauchten. Irgendwann muss wohl einer von ihnen aufgesprungen sein und gesagt haben:
„Ich Hartz, ich Hartz, das ist die Lösung! Lasst Sklaven und verarmte Bauern für uns arbeiten, lassen wir die Frauen unseren Haushalt führen, während wir über die wichtigen Dinge des Lebens entscheiden, ohne uns mit den niederen Arbeiten die Hände schmutzig machen zu müssen, schließlich lenkt das doch nur von unserer Verantwortung für die Gesellschaft ab. Denn wir, die paar edlen Männer, sind das Volk. Und im Volke soll Gleichheit herrschen, nennen wir es einfach Demokratie.“
Und tatsächlich die Zustände in unserer Republik ähneln inzwischen in vielerlei Hinsicht dem antiken griechischen Demokratieverständnis, mit einer Ausnahme: heute beteiligen sich auch Frauen, mächtige christliche Frauen und nachdem die Jahrhunderte der Aufklärung endlich wieder aus dem Bewusstsein der Eliten getilgt worden sind, auch wieder der Stellvertreter Gottes (des Einen, sie wissen schon, nicht etwa des Anderen) an der „Verantwortung für die Gesellschaft“.
Eine Zeitreise mit Achterbahneffekt: Aus der Gegenwart über die Antike ins christliche Mittelalter.
Mit einem fröhlichen Halleluja und Hosianna
Ihr Wolfgang Schwerdt
Amen
(will ja nicht auf dem Scheiterhaufen enden, also widerrufe ich vorsichtshalber gleich mal ein paar problematische Passagen)
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